Rezension: A Very British Christmas


Was kann man erwarten, wenn unter dem Titel eines Luxuskaufhauses ein Weihnachtskochbuch erscheint, herausgegeben von Tom Parker Bowles (Kochbuchautor, Gastronomiekritiker und Sohn Camillas, der Duchess of Cornwall)?

Fortnum & Mason: A Very British Christmas erschien 2019 als ‚deutscher‘ Titel im Christian-Verlag. Weihnachten, England und Essen? Das reizt mich natürlich!

Das Cover fand ich auf Anhieb schön: rot, weiß und blau, verspielt. Der Titel ist in glänzenden Metallic-Lettern eingeprägt und wird durch den schlichten Untertitel Rezepte & Geschichten ergänzt.

Innen sieht es, das ist meine erste nüchterne Feststellung, weitaus weniger klassisch aus. Moderne, teilweise skurrile, eigenwillige Illustrationen ziehen sich durch das Buch. Dazwischen, nicht zu jedem Rezept, wunderschöne Photographien der Gerichte. David Loftus hat die Bilder gemacht und man erkennt sofort die Qualität.

Der Klappentext:

Fortnum & Mason ist vermutlich das britischste Kaufhaus überhaupt – seit 1707 ist es eine Institution des guten Geschmacks in London. Für jeden London-Reisenden, der sich für echtes britisches Lebensgefühl interessiert, ist ein Besuch bei Fortnum & Mason ein Muss. Was gibt es Schöneres, als sich dieses britische Lebensgefühl beim nächsten Weihnachtsfest ins Haus zu holen? Mit dem Weihnachtsbuch von Tom Parker Bowles wird das endlich möglich. Merry British Christmas!

★ Das erste Kochbuch für ein ‚englisches Weihnachtsfest‘ 
111 authentische Rezepte vom Lifestyle-Haus Fortnum & Mason
Edel und sinnlich: So wird die Weihnachtszeit zum Hochgenuss
Von der Kochkoryphäe Tom Parker Bowles“

Meine Gedanken dazu:

Ich hatte von Fortnum & Mason zuvor noch nie gehört, obwohl ich Essen und London liebe. Irgendwie muss das wohl an mir vorübergegangen sein, vielleicht aber auch, weil es sich um Luxusartikel handelt. Das erste Kochbuch für englische Weihnachten? Sofort denke ich an Nigel Slaters Christmas Chronicles. Für mich also eine zweifelsfrei unzutreffende Behauptung. Ich bin – das muss ich gestehen – mehr als skeptisch.

Der Originaltitel des Buches lautet Fortnum and Mason ‒ Christmas and Other Winter Feasts. Ich finde es stets seltsam, wenn englische Titel (ob Bücher, Filme oder Serien) bei der deutschen ‚Übersetzung‘ einen neuen anderen englischen Titel erhalten. Warum Christmas and Other Winter Feasts durch A Very British Christmas ersetzen?

Würziger Linseneintopf, Brownies, Consommé, Pappardelle, Ras el-Hanout, Samosas, Käsefondue, Tartiflette, Poutine, Tacos, Dauphinoise, Profiteroles, Tarte Tatin, Schwarzwälderkirschtorte als Bûche de Noel, Cassoulet, Gravadlax, Ceviche, Kebab und Couscous – all das klingt nicht wirklich very british. Ein paar britische Klassiker sind dennoch dabei, dennoch ist meine Erwartung von typisch britischer Küche enttäuscht.

Inhaltsverzeichnis und Inhalt

Die Kapitel heißen „Guy Fawkes“, „Wunderbare Wildgerichte“, „Schlittschuhlaufen“, „Weihnachtsbäckerei“, „Weihnachts-Drinkgs“, „Heiligabend“, „Erster Weihnachtsfeiertag“, „Zweiter Weihnachtsfeiertag“, „Nichts verschwenden, Reste verwenden“, „Silvester“ und „Speisen im Januar“. Keine sehr intuitive Aufteilung, aber eine, die neugierig macht.

Der Inhalt ist ... interessant. Die meisten der Rezepte sind ungewöhnlicher, was mir gefällt, brauchen aber auch verhältnismäßig viele Zutaten und viele davon sind extravagant. Wildfleisch (auch außerhalb des Wildfleischkapitels), Spezialitäten aus verschiedenen Ländern (wie Lardo, Griottines oder cavalo nero), Kaviar, Trüffel, Morcheln und an vielen Stellen natürlich Fortnum's Produkte. Würstchen im Schlafrock mit über 20 Zutaten? Puh!


Das fühlt sich bei mir nicht nach authentischer britischer Küche an (was der Originaltitel aber ja auch gar nicht verspricht) und generell nicht so wirklich umsetzbar. Für die Weihnachtsfeiertage selbst, da kann man sich natürlich etwas Edles gönnen und mal ein bisschen mehr für Zutaten ausgeben, aber die ganze Adventszeit kann man damit natürlich nicht kochen.

Auch andere Rezepte lassen mich zögern: Der festliche Trockenobstkuchen, in dem neben einem guten Pfund Trockenobst noch 200 g Zucker kommen und der dann sowohl mit 500 g Marzipan als auch mit 500 g Fondant eingedeckt wird? Hui.

Ausprobiert

Den in Glühwein gebeizten Lachs.

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Die Zutaten und der Aufwand schienen mir für ein schickes Essen passend und möglich, den dazu vorgeschlagenen Champagner haben wir durch Gewürzwein ersetzt. Das Rezept war gut umsetzbar und das Ergebnis sehr lecker. Das wird ins Repertoire aufgenommen! Kleines Manko: In der Kurzbeschreibung steht, der Lachs solle 48 Stunden in Glühwein mariniert werden. Das stimmt so nicht, die Zubereitungszeit von 48 Stunden ist zwar richtig, davon sind jedoch nur 24 Stunden im Glühwein, 24 Stunden in einer Salz-Zucker-Beize. Das ist etwas widersprüchlich und verwirrend.

Fazit:


Ein extravagantes Buch, das seinem deutschen Titel für mich nicht gerecht wird. Es ist für mich nicht typisch britisch und definitiv kein Buch für den weihnachtlichen Alltag. Zumindest nicht für Menschen, wie mich.
Unter dem Titel „In der Weihnachtszeit unverzichtbar“ werden als „eine Art Überlebenshandbuch“ Zutaten aufgezählt, die man „für unangekündigten Besuch, nächtliche Hungerattacken und kleine Snacks am Nachmittag vorrätig haben sollte.“ Darunter: Champagner, Entenstopfleber, Kaviar und Trüffel. Da bin ich raus.

Der ausprobierte Lachs war jedoch wirklich gut und vielleicht werde ich hin und wieder einen Blick in das Buch werfen, wenn außergewöhnliche Rezepte suche. Ein Standardbuch wird es bei mir definitiv aber nicht werden und ich kann es auch nur sehr eingeschränkt empfehlen.


{Dieses Buch habe ich als kostenfreies Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt bekommen. Eine weitere Bezahlung ist nicht erfolgt. Meine Meinung ist unbeeinflusst.}

Zum Buch:
Fortnum & Mason: A Very British Christmas
von Tom Parker Bowles
Verlag der deutschen Ausgabe:
Christian Verlag
304 Seiten, ca. 150 Abbildungen

Preis: 39,99 €


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