Mit dem LITTLE LIBRARY COOKBOOK durchs Jahr [Rez.]


Bücher und Essen. Das sind zwei Dinge, die ich sehr liebe. Schon immer habe ich gerne gelesen. Und wer, wie ich, gleichermaßen gerne kocht und liest, der kennt das sicherlich: Man liest in einem Roman von Essen und fragt sich unweigerlich, wie das wohl schmeckt. Oder man bekommt plötzlich unbändige Lust auf das beschriebene Essen. In Märchen gibt es Töpfe voller Milchreis, golden gebratene Hühner und Brot, frisch aus dem Ofen. Und ich meine, mal ehrlich, wer träumt nicht davon, mit Hagrids Felsenkeksen in seiner Hütte vor dem Kamin zu sitzen, Fang hinter dem Ohr zu kraulen und die neusten Hogwarts-Geschichten hören, im Honigtopf das Taschengeld für Süßigkeiten auszugeben oder in Hogsmeade ein Butterbier bei Schneefall zu trinken?

Kate Young bloggt unter The Little Library Café und liebt Bücher mindestens genau so sehr wie ich. Sie kommt eigentlich aus Australien, lebt nun aber in England und hat ihr erstes Kochbuch bereits 2017 herausgebracht. Nun erschien ihr zweites Kochbuch:

Mit dem LITTLE LIBRARY COOKBOOK durchs Jahr ist ein literarischer und kulinarischer Almanach und ein Weg, das Jahr in Büchern und Gerichten einzufangen.“

Hier bringt Kate Young besonders saisonale Rezepte mit literarischen Vorlagen auf den Teller. Sie erzählt von ihrem Leben in England und schon während der Einleitung sehnt man sich selbst nach London. Kate Young verknüpft ihre liebsten Bücher mit Rezepten und Jahreszeiten.


Zum Buch:

Kate Young
Mit dem LITTLE LIBRARY COOKBOOK durchs Jahr
Neue Rezepte aus den schönsten Romanen der Welt

Wunderraum/Verlagsgruppe Random House
320 Seiten, 17,0 x 24,0 cm, 120 farbige Abbildungen
22 €

{Dieses Buch habe ich als kostenfreies Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt bekommen. Eine weitere Bezahlung ist nicht erfolgt. Meine Meinung ist unbeeinflusst.}

Inhaltsverzeichnis und Inhalt:

Das Buch ist in sechs Kapitel unterteilt: Lange Winternächte, erste Frühlingsboten, der verschwenderische Frühling, Hochsommer, wenn die Blätter sich verfärben und wenn die Tage kürzer werden. Das gefällt mir auf Anhieb sehr, denn ich schätze jede Jahreszeit für ihre Eigenheiten. Jede Jahreszeit soll in diesem Buch kulinarisch gefeiert werden und so gibt Kate Young einem auch einen kleinen Saisonkalender an die Hand. Trotzdem betont sie in ihrem Vorwort eine eher freiere Deutung von ‚saisonal‘. Ihr kommt er nicht nur auf die Zutaten an, sondern auch darum, eine „jahreszeitliche Stimmung zum Ausdruck“ zu bringen. Für mich wird das bei einigen Rezepten aber nicht wirklich deutlich. Erdnuss-Brownies mit Rauchsalz klingt für mich herbstlich oder winterlich, das Rezept taucht jedoch im frühen Frühling auf, ebenso wie die Ricotta-Pfannkuchen mit Backofen-Rhabarber. Unser heimischer Rhabarber braucht allerdings noch eine ganze Weile! Auch die Tomatentartelettes sind mir im Frühling etwas zu früh. Das sind aber nur Kleinigkeiten, denn die überwiegende Menge der Rezepte fangen die entsprechende Jahreszeit wunderbar ein und machen schon jetzt große Lust auf den goldenen Herbst.

Ausprobiert:


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https://1.bp.blogspot.com/-bS2UvalzzGw/XotgHjShqMI/AAAAAAAAFok/GtZfYI_Pc8gbnJ9ybv9qsFQzHLCLnHEDQCLcBGAsYHQ/s1600/IMG_0479.JPG


Auf der Ausprobierliste:

Für den Winter: Kräuter-Fisch-Pie / Entenkeulen mit Pancetta und Granatapfel und Puy-Linsen
Für den frühen Frühling: Gebackener Camembert mit Honig-Nüssen / Zabaglione
Für den verschwenderischen Frühling: Lamm aus dem Ofen mit Erbsen-Radieschen-Salat / Gelee mit Sekt
Für den Hochsommer: Hering mit Senf und Roggenknäckebrot / schwedischer Kartoffelsalat
Für den Spätsommer/Frühherbst: Apfel-Cider-Gelee / Apfelkuchen mit Estragon
Für den Spätherbst und frühen Winter: Lamm-Stew / Ingwerbier-Schinken auf Brioche

Literarischer Bezug:

Nicht jedes Rezept nimmt Bezug auf ein bestimmtes Buch, Kate Youngs Verknüpfungen sind in diesem Buch etwas freier. So wird etwa aus dem – besonders durch seine Verfilmung – bekannten Chocolat nicht etwa nur ein schokoladiges Rezept aufgegriffen. Stattdessen fokussiert sich Kate Young auf das Festessen, das Vianne einmal ausrichtet, und präsentiert Tomatentartelettes und eine Meeresfrüchteplatte. Als Dessert gibt es jedoch, ganz passend, Schokoladeneis.

Am Ende jedes Jahreszeiten-Kapitels gibt es mehr Buchempfehlungen für die Jahreszeit. Das mag ich sehr, denn es gibt neue Inspirationen. Viele der Bücher kenne ich noch nicht und freue mich daher darauf, in neuen Welten zu versinken.



Fazit:

Wie schon bei ihrem ersten Buch, stelle ich fest, dass ich nur wenige ihrer literarischen Vorlagen kenne. Es ist für mich daher weniger ein Schwelgen in literarisch-kulinarischen Lieblingskapiteln als ein ganz normales Kochbuch, in dem hin und wieder Bezüge zu Büchern hergestellt werden. Vielleicht muss ich es also andersherum machen: Mich in ein Gericht verlieben, dann das Buch dazu lesen und mir vorstellen, wie es den Personen mit diesem Gericht ergangen sein mag?

Sehr viele der Rezepte reizen mich und ich mag die Zusammenstellung der Rezepte, wenn auch die Zuordnung für mich nicht immer nachvollziehbar ist. Die ausprobierten Kartoffelpfannkuchen waren großartig, besonders in der Kombination mit Forelle; die Biscuits mit Kaffeebutter blieben hinter meinen Erwartungen zurück. Die Bilder sind sehr stimmungsvoll und gelungen – ein großes Lob an Fotografin Lean Timms!

Es ist für mich, alles in allem, ein gutes Kochbuch. Die Idee und das Konzept hinter dem Buch, eine Kombination aus Kochen und Literatur zu erschaffen, gefallen mir enorm, die Umsetzung erreicht mich leider jedoch nicht ganz. Vielleicht, weil es eben einfach nicht meine literarischen Lieblingswelten sind, vielleicht auch, weil ich mit Kate Young auch im zweiten Buch leider nicht so richtig warm geworden bin. Aber wir müssen ja auch keine Freundinnen werden (sie schreibt von mit Butter und Thymian bestrichenen Hähnchen, mit Harissa gewürzter Lammschulter und Schweinebraten mit knuspriger Kruste, um dann zu resümieren, dass sie Salat interessanter findet!). So lange sie tolle Rezepte entwickelt und damit ihre Liebe zu Literatur und Essen teilt, ist es ja nicht schlimm, dass sie Fudge hasst und findet, dass man Sachertorte nur im Winter essen sollte.



Lasst es Euch gut gehen!

Eure












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