Omas russische Eier

Dass es bei mir nicht viele richtig alte Familienrezepte gibt, das habe ich schon das ein oder andere Mal erwähnt, zuletzt, als es Sahnehering gab. Omas Kappes-Eintopf ist das einzige erhaltene handschriftliche Rezept meiner Oma, das Labskaus beispielsweise ist nur von ihr inspiriert. So ist es auch mit diesem Rezept:


Meine Erinnerung an die russischen Eier meiner Oma sind zwar schon knapp zwanzig Jahre her, aber dennoch recht konkret:

Ich erinnere mich daran, dass ich öfter in der kleinen Küche meiner Großeltern in Koblenz stand und meiner Oma dabei half, die Eier zu pellen, zu halbieren und das Eigelb ganz behutsam aus dem Eiweiß zu lösen. Meine Oma hat dann die Eigelbcrème gemacht, die wir mit Löffeln wieder in die Eiweiße gefüllt haben. Dabei waren wir natürlich sehr darauf bedacht, die Crème gleichmäßig aufzuteilen. Dass sich meine Oma je die Mühe gemacht hätte, dafür einen Spritzbeutel mit Sterntülle zu benutzen, nein, daran könnte ich mich nicht erinnern. Aber für meine Bilder fand ich es irgendwie ein kleines bisschen schöner. Und für eine Party oder ein Brunch darf es ja auch ein wenig hübscher sein, als für ein alltägliches Abendbrot.

Die genauen Zutaten und Mengen, die sie benutzt hat, um das Eigelb zu einer cremigen Masse zu verrühren, die weiß ich nicht mehr. Ich erinnere mich aber, dass der Geschmack recht säuerlich war und habe auch ganz verblasst im Kopf, dass sie Essig an die Crème gegeben hat. Nach und nach habe ich mich also daran versucht, dem Kindheitsgeschmack meiner Erinnerung nahezukommen.

Ein großes Rätsel hat sich mir dabei sehr lange gestellt: Die Eigelbmasse türmte sich stets auf den Eiweißhälften. Wann immer ich das Rezept nachbildetete, reichte die Crème dafür nicht aus. Erst sehr spät kam ich auf die Lösung: Meine Oma hatte mir ein oder zwei Eiweißhälften (vermutlich die am wenigsten schönsten und die kaputten) vorab zum 'Probieren' gegeben und wie durch Zauberhand reichte die Eigelbcreme dadurch aus!



Zutaten für zehn gefüllte Eierhälften:

6 Eier, hart gekocht und abgekühlt
2 EL Essig
1 gehäufter EL Mayonnaise
Salz und Pfeffer

Zubereitung:

Die gekochten und abgekühlten Eier vorsichtig pellen und längs halbieren. Die Eigelbe vorsichtig aus dem Eiweiß lösen und in eine kleine Schale geben.
Mit einer Gabel die Eigelbe zerdrücken und mit Essig und Mayonnaise vermischen. Mit Salz und Pfeffer abschmecken.
Dann die Eigelbcrème mit zwei Löffelchen oder einem Spritzbeutel zurück in die Eiweißhälften füllen und servieren.


Vermutlich merkt man es manchmal: Ich liebe und sammle Geschirr. Deshalb starte ich ein neues Blogevent: Geschirr mit Geschichte. Am letzten Wochenende im Monat möchte ich Euch gerne jeweils ein ausgewähltes Geschirr(-stück) zeigen, die Geschichte dazu erzählen – und ein Rezept gibt es natürlich auch. Ob altes Geschirr oder neue Einzelstücke, ob selbstgekauft oder von Freunden oder Familie geschenkt bekommen, ich zeige Euch, was mir so am Herzen liegt.




Mittlerweile ist es schon der fünfte Beitrag, den ich unter diesem Motto veröffentlichte. Alle Beiträge findet ihr übrigens auch direkt von der Startseite meines Blogs, wenn ihr auf das Logo klickt:
https://www.kuechenliebelei.de/search/label/Geschirr%20mit%20Geschichte?max-results=6
Dieses Geschirr ist mir unglaublich vertraut, weil ich es schon so lange besitze, wie die Erinnerungen an dieses Rezept. Es stammt allerdings nicht von meiner Oma, sondern, wenn meine Erinnerungen richtig sind, von meiner Großtante Margarete, die von uns allen "Tante Gitt" genannt wurde. Von ihr habe ich eine ganze Rezeptsammlung und etliche Kochbücher geerbt (ihr erinnert Euch vielleicht an die Großtanten-Eierlikör-Geschichte?). Dieses Gänse-Geschirr schenkte sie mir aber noch zu Lebzeiten. Leider weiß ich nicht mehr, zu welchem Anlass oder mit welcher Hintergrundgeschichte.


Es besteht aus Tellern, Untertassen und Tassen bzw. Gläsern. Zu Teenagerzeiten hatte ich das Geschirr dann in meinem Zimmer in Benutzung und fand es zwar prinzipiell super, eigenes Geschirr zu haben, das Geschirr selbst fand ich aber ziemlich peinlich und gar nicht schön. Das ein oder andere Teil ging irgendwann leider zu Bruch und der Rest verstaubte dann lange in Kisten im Keller. Ich habe derzeit nur noch drei Teller und eine Untertasse gefunden. Allerdings, da bin ich recht zuversichtlich, müsste es irgendwo noch eine Kiste mit weiteren Teilen geben. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass so viel kaputtgegangen ist. Aber wie gesagt, meine Erinnerungen dazu sind leider, obwohl mir das Geschirr sehr vertraut ist, eher dürftig.

Mein Vater erinnert sich zwar auch an dieses Geschirr, kann sicher aber auch nicht an wesentlich mehr erinnern. Er hätte es nicht einmal mehr mit seiner Tante in Verbindung gebracht, weil es vom Stil eigentlich eher nicht zu ihr passte. Dass sie es aber mir als Kindergeschirr geschenkt hat, das hält er für durchaus möglich.

Lasst es Euch gut gehen!
Eure



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